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Ein theatrales Engagement der Extraklasse steht für den Balthasar-Neumann-Chor im September an:
Der aus Solisten zusammengesetzte Chor interpretiert Werke der Neuen Musik unter szenischer Anleitung von Regisseur Sebastian Baumgarten und musikalischer Leitung von Max Renne im Berliner Hebbel-Theater Hebbel am Ufer.
Die Chorsänger treten als Individuen solistisch in Erscheinung, stellen daneben aber auch als Chor eine Gemeinschaft dar, die sowohl gruppendynamische als auch kommentierende oder weisende Funktionen wie im antiken Drama hat.

Balthasar-Neumann-Chor

Der Kommunist und Komponist Luigi Nono schrieb 1967 in seinem Aufsatz “Der Musiker in der Fabrik”:
“Für mich ist in erster Linie der Anlass zum Musikmachen wichtig, die Inspiration oder der ideelle Beweggrund, der gesellschaftliche Auftrag, wie Majakowski sagte. Auch ich erblicke die objektive historische Macht unserer Zeit in dem großen Bewegungsimpuls, in der Kraft des Aufbruchs und der Umwandlung zum Kommunismus, des entscheidenden Angelpunktes in unserer Epoche. Das ist mir in meiner Arbeit immer deutlicher bewusst geworden.”
Die künstlerische Arbeit also als revolutionärer Akt, als Teil des Klassenkampfes. Vor allem die Komposition “La Fabbrica illuminata” steht für Nonos politisch engagierte Arbeiten, die einen Teil der Lebens- und Arbeitsrealität der italienischen Fabrikarbeiter in die Musik integrieren wollten – um im Gegenzug die Arbeiter als Rezipienten für die Zusammenhänge und Mechanismen, in denen ihre Arbeit steht, zu sensibilisieren.

Wie steht es etwa 40 Jahre danach um die Zusammenhänge von Arbeit und Kunst? Und um die Protagonisten des von Nono beschworenen Aufbruchs? Der Regisseur Sebastian Baumgarten und der Videokünstler Chris Kondek begeben sich in “La Fabbrica” auf die Suche nach dem Kollektiv als Träger gesellschaftlicher Utopien und den Individuen, aus denen sich dieses Kollektiv rekrutieren soll. Dabei wird dokumentarisches Material, das in den VW-Werken in Dresden und Wolfsburg entstanden ist, mit artifiziellem Chorgesang konfrontiert. In György Ligetis ebenfalls in den späten 1960er Jahren entstandenen irisierender Komposition „Lux aeterna“ wird dabei gewissermaßen der äußerste Gegenpol zu Nonos engagierter Musik erreicht: 16 Einzelstimmen, die in Klangschichtungen einen schwere- und bewegungslosen Zustand der Dauer erzeugen.

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